104. Bibliothekartag in Nürnberg

Podiumsdiskussion zum Thema Datenschutz

Im Rahmen des 104. Deutschen Bibliothekartags in Nürnberg fand am 29.05.2015 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Schutz der Privatsphäre in der digitalen Welt: wie sind Bibliotheken betroffen?“ statt. Unter der Moderation des Journalisten Oliver Buschek diskutierten:

-    Helmut Kimmling (OCLC)
-    Christoph Frech (ExLibris)
-    Anke Berghaus-Sprengel (Jakob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt Universität zu Berlin)
-    padeluun * (Digitalcourage)
-    Johannes Caspar (Landesdatenschutzbeauftragter via Arne Gerhards, Hamburg)  

Die Verarbeitung personenbezogener Daten wird immer komplexer und umfassender. Die Informationstechnologie ermöglicht damit auch ein bisher ungeahntes Ausmaß an Datenmissbrauch und Kontrolle von Nutzerverhalten. Daher muss über jede Datenverarbeitung transparent und leicht verständlich informiert werden, denn Bürger sorgen sich zu Recht um ihre Privatsphäre.

Bibliotheken erfassen ihre Ausleihvorgänge elektronisch mit entsprechender Software. Werden die Daten so schnell wie möglich nach Rückgabe gelöscht? Bibliotheken bieten öffentlichen Zugang zum Internet an. Wie sieht es mit der Authentifizierung der Nutzer aus? Einige Bibliotheken betreiben Teile ihrer IT Infrastruktur bei externen Anbietern in der Cloud, die außerhalb Deutschlands angesiedelt sind.

Wie kann sichergestellt werden, dass sich weltweit agierende Unternehmen an die in Europa geltenden Datenschutzbestimmungen halten? Inwieweit sind auch die beauftragenden Bibliotheken selbst für die Einhaltung der Regeln durch die Unternehmen verantwortlich? E-Books in öffentlichen Bibliotheken werden mit Einsatz von Adobe Digital Edition ausgeliehen. Kürzlich wurden Lücken im Datenschutz dieser E-Book Lesedaten bekannt. Durch die digitale Veröffentlichung von bisher unveröffentlichten Nachlassmaterialien oder Zeitschriftenjahrgängen können private Daten anderer Personen (wieder) an die Öffentlichkeit gezerrt werden.

Derzeit  verwirklichen die Bibliotheken sehr hohe Datenschutzstandards. Die gesetzlichen Vorschriften müssen weiterhin gewährleisten, dass die Privatsphäre sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gesichert sind. Dieses Recht muss jedoch auch gegen das Interesse an unbeschränktem Informationszugang in die Waagschale geworfen werden. Jeder EU-Bürger hat ein „Recht auf Vergessen“ im Internet. Wird in den Bibliotheken selbst genug getan, um die Daten der Bibliotheksnutzer vor Missbrauch zu schützen? Wie könnte eine akzeptable Balance zwischen Informationsfreiheit und Datenschutz aussehen?  

Einen Mitschnitt der Veranstaltung können Sie sich hier anhören.